Mein Aufenthalt als Assistant Teacher
Hallo ihr lieben, viel gibt es ja nicht zu berichten, aber ich schreib trotzdem mal wieder.
Seit über einer Woche ist der Regenschirm mein bester Freund…
Ich bin jetzt übrigens auch Elektriker: Vor kurzem ist hier nämlich eine Glühbirne durchgebrannt und das hat die Sicherung rausgehauen. Ok, grundsätzlich kein Problem, Sicherungskasten finden und Sicherung wieder reindrücken…so würd ich das zu Hause machen. Ich hab den Sicherungskasten nach einigem Suchen im Dunkeln dann in einem Schränkchen gefunden. Konnte auch die richtige Sicherung ausmachen, da sie beschriftet sind. Aber mit wieder reindrücken ist da nix. Ich hab keinen Schalter gefunden und obendrüber stand: Bitte Hauptschalter ausschalten, bevor Sie Sicherungen entfernen oder wechseln. “Wechseln”, aha, das muss es wohl sein. Gill war natürlich über Nacht weg und ich hatte keinen Ahnung, was ich machen muss. Jetzt weiß ich es.
1. Hauptschalter aus
2. entsprechende Sicherung aus dem Kasten ziehen
3. Sicherungsdraht mit der richtigen Stärke (in diesem Fall 5 Ampere) aus dem Schränkchen holen
4. Schraubenzieher suchen
5. zwei Schrauben lösen
6. ein ausreichend langes Stück Draht abschneiden und durch das Röhrchen fädeln
7. die Drahtenden um die Schrauben wickeln und diese fest ziehen
8. Vorsicht: dabei nicht den Draht abknipsen
9. Sicherund wieder in den Kasten klipsen
10. Hauptschalter anschalten
11. GEHT
Ich hab ja auch schon einige Kuriositäten kennengelernt hier:
1. Obwohl die Engländer an Regen gewöhnt sein sollten, bricht hier immer wenn es etwas stärker regnet das Verkehrschaos aus
2. Pudding ist ein sehr beliebtes Wort. Es gibt Christmas Pudding (ist so wie Christmas Cake nur nicht gebacken sondern gekocht), Plum Pudding (ist so ähnlich), Yorkshire Pudding (ist eine Beilage aus Mehlteig im Backofen gebacken), der Überbegriff für Nachtisch ist auch Pudding und es gibt Black Pudding (Blutwurst). Nur richtigen Pudding (schoko oder vanille oder so) gibt es garnicht!
3. Einige Leute hier denken, Englisch wäre die erste Sprache gewesen, die es je gegeben hat.
4. Kleinkinder kann man hier ohne weiteres an die Leine legen.
5. UGG-Boots sind seit einigen Jahren in (wir haben nach einem Winter aufgegeben) und kosten teilweise 250 Pfund.
Übermorgen kommt Flori zu Besuch und ich freu mich schon ganz dolle. Dann kommen auch wieder mind. zwei Berichte zu Ausflügen.
Und am 17. Dezember geht’s dann heim (das sind übermorgen noch drei Wochen)
Ich kann jetzt auch Rindfleischsuppe kochen.
Bei den Engländern befindet sich im Suppengemüsepack statt Sellerie allerdings die swedish (gelbe schwedische Rübe). Die kommt mir nicht mehr in die Suppe. Macht irgendwie einen komischen süßlichen Geschmack. Parsnip (Petersilienwurzel) ist aber toll.
Ich hab noch massig Rindfleisch übrig. Wie geht Rindfleischsalat? Gibt es hier Meerrettich im Glas?

Am Donnerstag, 5. November, war Bonfire Night und da muss man traditionell auf ein Bonfire gehen. Wir sind zu Vanessa nach Gee Cross gefahren mit dem Bus und dann auf den wohl größten Hügel der Welt mit der wohl steilsten Straße der Welt gelaufen. Ich bin da kaum hoch gekommen und Gill und Vanessa sind da hochgerannt…
Jedenfalls hat man von da oben einen tollen Blick über (fast) ganz Manchester. Leider war total nebelig und wir haben von den Feuerwerken unten nicht wirklich was gesehen. Dann haben wir aber festgestellt, dass die hinter dem Pub ein kleines Feuer gemacht haben und da auch ein super Feuerwerk hatten. Das ganze war bissl wie Silvester bei uns. Die Leute kaufen Raketen im Supermarkt und schießen die dann ab. Ich dachte eigentlich, es gibt ein professionelles Feuerwerk, aber die sind wohl erst heute?!
Es war jedenfalls schweinekalt da oben und meine tollen neuen Stiefel sind jetzt voller Matsch. Wir haben uns dann, bevor wir wieder runtergelaufen sind, im Pub am Feuer aufgewärmt.
Hier eine kurze Erklärung zur Bonfire Night laut wikipedia:
Der Gunpowder Plot (deutsch: Schießpulververschwörung seinerzeit als Powder treason, „Pulververrat“, bekannt) war ein Versuch von britischen Katholiken, am 5. November 1605 den protestantischen König von England, Jakob I., seine Familie, die Regierung und alle Parlamentarier zu töten.
Die Verschwörung wurde von Robert Catesby geplant und vom Sprengstoffexperten Guy Fawkes (eigentlich Guido Fawkes oder Guido Faux) ausgeführt.
Fawkes und seine Mitverschwörer versuchten, am 5. November 1605 während der dann stattfindenden Parlamentseröffnung durch den König das Parlament im Palast von Westminster in London in die Luft zu sprengen. Zu diesem Anlass waren nicht nur alle Parlamentarier, sondern auch die gesamte Königsfamilie zugegen und wären mit einem Schlag ausgelöscht worden. Für die Sprengung wurden rund 2,5 Tonnen Schießpulver in den Kellern des Gebäudes deponiert (daher auch die englischen Bezeichnungen Powder treason und Gunpowder Plot für das Attentat). Die Verschwörer wollten erreichen, dass Jakobs Tochter Elisabeth von Böhmen als katholisches Staatsoberhaupt eingesetzt werde.
Der katholische Lord Monteagle erhielt vor dem geplanten Anschlag einen Brief, der ihm empfahl, sich unter einem Vorwand von der Parlamentseröffnung fernzuhalten, da das Haus „einen Schlag erhalten“ werde. Dieses Schreiben wurde an die Behörden weitergereicht. Fawkes und der eingelagerte Sprengstoff wurden vom Friedensrichter Thomas Knyvet am Morgen des 5. November bei einer Inspektion der Keller unter dem Parlament entdeckt. Unter der vom König persönlich angeordneten Folter bekannte Fawkes sich zu seinem Verbrechen und seinen Mitverschwörern, die sofort verhaftet wurden.
Nach Berechnungen von Wissenschaftlern hätte die angesammelte Menge von Sprengstoff ausgereicht, alle Gebäude im Umkreis von einem Kilometer zu beschädigen und auf jeden Fall den gesamten Westminster-Palast zu zerstören.
Das Motiv war Rache am König, da dieser die katholische Bevölkerung unterdrückte. Seit Heinrich VIII. war stets der englische König das weltliche Oberhaupt der von Rom abtrünnigen anglikanischen Kirche gewesen. Nachfolgende Monarchen hatten allerdings große Schwierigkeiten, ihre Autorität in Kirchenfragen durchzusetzen, zumal die römische Kirche mit Macht versuchte, ihren Einfluss zurückzugewinnen. Unter Elisabeth I. wurden die religiösen Spannungen durch eine weitgehende Toleranz gemindert. Ihr direkter Nachfolger Jakob I. neigte jedoch aufgrund seiner Erziehung im presbyterianischen Schottland dem Protestantismus zu. Katholisch orientierte Adelige und Beamte befürchteten nun, ihren Einfluss endgültig zugunsten der aufstrebenden Puritaner zu verlieren, die bereits über einige Macht im protestantisch dominierten Parlament verfügten.
Bis heute ist in Großbritannien dieses Attentat nicht vergessen. Man feiert jedes Jahr am 5. November das Scheitern des Komplotts mit einem Straßenumzug in der Guy Fawkes Night, bei dem eine Guy-Fawkes-Puppe verbrannt wird und Feuerwerke entzündet werden. Sie wird auch Bonfire Night oder Fireworks Night genannt.