Mein Aufenthalt als Assistant Teacher
Morgen ist ja Halloween, deshalb haben Gill und ich gestern zwei Kürbisse gekauft und ausgehölt und Gesichter reingeschnitzt. Kürbis riecht ganz schön eklig aber es hat Spaß gemacht. Ich dachte ja eigentlich, dass man die hier auch vor die Tür stellt, aber Gill meinte, wenn sie sich so viel Arbeit macht, dann will sie die auch selber anschauen… Jetzt stehen sie im Wohnzimmer vor dem Kamin.
Gestern war ich mit Gill und ihren Freundinnen Tapas essen. Hm, das war vielleicht lecker! Wir hatten einen ganzen Tisch voller Essen und hatten sogar einen tollen Gutschein mit dem wir nur die Hälfte bezahlen mussten. Kann garnicht aufzählen, was wir alles hatten. Champignons, Chorizo, Rippchen mit Honigmarinade, Tomatensalat, grüner Salat, Knoblauchbrot, Hackbällchen, Manchego, Schrimps, Fisch, Fleischspießchen und natürlich Patatas Bravas.
Ich weiß nicht, ob ich mich an das englische Essen gewöhnen kann, um ehrlich zu sein hab ich mich noch nichtmal wirklich getraut was wirklich englisches zu probieren, aber an das ausländische Essen, das man hier bekommt, kann ich mich sehr gut gewöhnen
Leider hab ich vergessen, ein Foto zu machen, als das Essen noch vorhanden und nicht in unseren Bäuchen verschwunden war. Aber anhand der vielen leeren Teller (zwei oder drei sind leider schon abgeräumt) kann man es sich vielleicht vorstellen?!
Es sind ja jetzt Half Term Ferien und diese Woche möchte ich dazu nutzen, meine Umgebung ein Bisschen besser kennen zu lernen. Deshalb hab ich heute das Old Trafford Stadium, das Fußballstadion von Manchester United, besucht.
Dort kann man eine Führung machen und die 8,50 Pfund für Studenten sind sogar bezahlbar. Im Preis enthalten ist der Eintritt in das Museum, das aber für Nichtfußballfans wie mich nicht wirklich interessant ist: Mehrere Räume voller Pokale und Preise und Infos über Spieler und Legenden. Die Führung ist aber auch für Nichtfans interessant.
Sie beginnt an der Nordtribüne und geht dann weiter auf die Behindertenplätze, von wo aus man einen tollen Blick über das Stadion hat. Übrigens kosten Manchester United Spiele für Behinderte/Rollstuhlfahrer keinen Eintritt. Das Stadion ist mit 77.000 Plätzen das größte in England und hat damit 10.000 Plätze mehr als die Allianz-Arena! Der Rasen ist beheizt, damit sich die Spieler im Winter nicht die Füße erkälten ![]()
Anschließend geht es hinaus zum Munich Tunnel. Dieser erinnert an das schreckliche Ereignis vom 06. Februar 1958, als der Flieger, der die Mannschaft und das Team von München nach Hause bringen sollte, in ein Haus stürzte. Damals sind 23 Insassen gestorben, darunter 8 Spieler.
Durch eine kleine Tür geht es weiter in die Spielerlounge. Hier halten sich die Spieler vor dem Spiel auf und dürfen jeweils zwei Gäste mitbringen. Dies ist der Raum in dem David Beckham seine Victoria zum ersten Mal getroffen hat. (Es finden im Sommer übrigens sogar Hochzeiten im Stadion statt). Wie von allen Frauen einstimmig festgestellt wurde, ist der Teppich hässlich.
Weiter geht es dann in die Umkleidekabine. Sieht garnicht aus wie eine Umkleidekabine…Die älteren Spieler haben ihre festen Plätze, sowas wie Recht des Älteren, oder so. Nach dem Spiel gibt es hier für die Spieler heiße Suppe und Pizza.
Anschließend betritt man durch den Tunnel, durch den auch die Mannchaften einlaufen, wieder das Station, diesmal steht man direkt vor dem Rasen, den man allerdings leider nicht betreten darf. Schade, ich hätte mich gerne mal mittendrauf gestellt.
und entlang der Außenlinie kann man zur Spielertribüne, oder wie das heißt, laufen. Jedenfalls sitzen da in gepolsterten Sitzen die Spieler, die nicht spielen und was weiß ich wer…
Die Tour endet vor dem Megastore, wo man so ziemlich ALLES im Manchester United Design erwerben kann. Sogar Adventskalender.
Anscheinend sehe ich nicht aus, wie eine typische Engländerin, die sich mal eben ein Fußballstadion anguckt. Hat nämlich nicht lange gedauert, bis mich der Führer angesprochen hat und mich gefragt hat, wo ich herkomme. Er hat sich wohl sehr gefreut oder war sehr angetan von mir. Er hat sich noch ein paar Mal mit mir unterhalten, ein Foto von mir gemacht und mir zum Abschluss gesagt, dass er sich gefreut hat, mich kennen zu lernen. Sehr seltsam…vielleicht tat ich ihm auch nur leid, weil ich die einzige war, die ganz alleine da war…
Oh, ich bin soooo stolz auf mich!
Ich hab grad zum ersten Mal in meinem Leben Lauchgemüse gekocht, inklusive heller Mehlschwitze. Und es war echt lecker!
Vielleicht kann ich wirklich kochen bis ich wieder heim komme
So, jetzt wird es aber mal langsam Zeit, dass ich euch allen erzähle/zeige wo und wie ich so wohne:
Ian hatte ja eine Unterkunft schon vor meiner Ankunft organisiert. Ich wusste also, dass ich eine Wohnung bekomme und was die an Miete kostet. Als ich dann am 28. September an der Schule war um mich umzusehen hab ich mich mit Gill unterhalten und einen “Besichtigungstermin” für abends ausgemacht. Adresse ins Navi eingegeben und los gefahren. Die Richtung kam mir gleich ein bisschen komisch vor, aber ok. Hätten wir gleicht einfach die Postleitzahl eingegeben, hätten wir die Richtige Park Road auch gleich gefunden und wären nicht auf die komplett falsche Seite von Manchester gefahren…Diese Postleitzahl gilt nämlich nur für einige Häuser in dieser Straße! Seltsam
Jedenfalls wohne ich jetzt hier zusammen mit Gill, einer Biolehrerin von der Fairfield. Sie ist 33 und wirklich total nett. Sie unternimmt viel mit mir und quasselt den ganzen Tag.
Das Haus in Denton ist total putzig. Es gibt zwei Schlafzimmer, Bad, Küche, Wohnzimmer und Esszimmer. Um ehrlich zu sein könnte ich dieses Häusschen mit den Möbeln aus meinem Zimmer zu Hause ziemlich ausfüllen. Auch die Küche könnte ich mit meinen Tuppersachen und Besteck etc. füllen.
In der Küche gibt es keine Kaffeemaschine, aber einen Gasherd – der macht mir ein bisschen Angst.
Die Gegend ist aber gut. In der Nähe sind ein großer Supermarkt, ein Schwimmbad und ein kleines Einkaufzentrum mit H&M und anderen Geschäften. Auch die Bushaltestelle zur Schule und in die City ist nicht weit.
OHHH, noch was lustiges fällt mir grad ein! Es gibt hier einen Mini-Garten mit einem Gartentürchen hintenraus. Da hinter ist eine kleine Gasse auf die alle Gärten der Nachbarhäuser münden. Dort stehen alle Mülltonnen und wenn Mülllehrung ist, wird vorne an der Gasse ein Tor aufgemacht und alle Mülltonnen der Straße werden da rausgerollt. Bis ich das erfahren hatte, hab ich mich auch garnicht gefragt, wo denn der Müll hingeht und wie die Mülltonnen auf die Straße kommen. Hier in der Straße gibt es nämlich keinen Hof oder Einfahrten. Hier sind die Häuser direkt aneinander gebaut – Tür an Tür!
Oh man, ich sag’s euch, die machen hier komische Sachen mit der Post!
Meine Eltern haben mir ja ein Paket mit meinen restlichen Sachen geschickt. Das kam gestern schon an, aber um 10 morgens ist hier leider keiner zu Hause um das Paket entgegen zu nehmen. Hab auch eigentlich erst am Montag mit dem Paket gerechnet, weil der Mann bei der deutschen Post sagte, es dauert fünf bis sechs Tage.
Ich hatte also eine Karte im Briefkasten, wo draufstand, dass das Paket im Post Office hinterlegt wurde. Ich hab mich also heute morgen um dreiviertel zehn aufgemacht zum Post Office in Denton. Ist nicht weit und das ist auch gut so, weil ich ja wusste, dass das Paket knapp 10 kg wiegt.
ABER: Da war mein Paket nicht. Es wird nämlich in das Haupt Office “Windmill Lane” gebracht (keine Ahnung warum). Der Mann auf der Post hat mir also erklärt, wie ich da hin komme. Und nach einer Stunde Fußmarsch und weiterem Fragen hab ich es auch gefunden…
Ok, ich hol also mein Paket an der Post, aber ich kann ja unmöglich mit nem 10kg-Paket ‘ne Stunde durch die Gegend marschieren. Gott sei Dank stand an der Bushaltestelle ein sehr netter Mann, der mir erklärte, dass der Bus Nr. 317 direkt von hier nach Denton fährt. Der kam dann auch gleich und ich musste das Paket nicht durch halb Manchester tragen! Hätte mir der Typ in Denton ja auch sagen können, dass ein Bus direkt zu dem anderen Post Office fährt (vor allem, weil ich ihm gesagt habe, dass ich kein Auto hab und laufen muss!)
Naja, ich hab jetzt also mein Paket mit der Marmelade von Mama, meinen Schwimmsachen und noch mehr Klamotten ![]()
Es sind übrigens von mir daheim bis zu diesem Post Office 1.6 Meilen (ist ja garnicht so weit, aber wenn man nich weiß, wo es hingeht…)
Ausflug am 29. September nach York:
York ist zwar ca. eine Autostunde von Manchester entfernt, aber da uns einige gerate haben, das zu besuchen sind wir hingefahren. Parkplatz finden war mal wieder dank Navi kein Problem.
Da York auch garnicht so groß ist bzw. die Sehenswürdigkeiten alle nahe beieinander liegen, tun die Füße abends nicht so weh. ![]()
Man betritt die Innenstadt (jedenfalls von der Seite wo wir gekommen sind) durch ein schönes altes Stadttor. Man kann auch auf der Stadtmauer um York herum laufen, aber das war uns dann doch zu weit. Auf der Suche nach günstigem Frühstück sind wir allerdings fast verzweifelt, da York ein ziemlich teures Pflaster ist. Gelandet sind wir beim guten alten Mc Donalds, da findet man immer was essbares. ![]()
Es gibt auch einen schönen Park mit Museum und gaaaanz vielen grauen Eichhörnchen. Diesen darf man aber laut einem Schild nicht in die frisch angelegten Beete folgen.
Die Kathedrale in York ist wirklich riesig und es gibt einen “Queenswalk” auf dem die gute alte Elisabeth mal entlang gegangen ist. Innen muss die anglikanische Kirche auch schön sein, aber wir haben sie uns nicht angesehen, denn bei den Anglikanen muss man, wenn man beten will oder die Kirche besichtigen 5 Pfund Eintritt bezahlen!!!! Ich weiß nicht, was schlimmer ist, das Café in der Kirche in Liverpool oder der Eintritt in York?!
Allerdings besitzt York auch noch ganz viele alte (und ich meine wirklich alte) katholische Kirchen, die keinen Eintritt kosten. Eine davon war allerdings mit einem komischen Baby ausgestattet, das ein bisschen an einen Alien erinnert.
Neben den vielen Kirchen gibt es noch andere tolle alte Gebäude. Teilweise nur noch halb erhalten und was neues angebaut, aber gut.
Nen Lush haben die auch und da hab ich gleich mal neue American Cream gekauft. Memo an alle Lush-Fans: in England gibt es im Lush keine Pröbchen wenn man was kauft.
York hat auch ein Schloss, davon ist allerdings nur noch ein großes Rund auf einem grünen Hügel übrig. Von dem aus hat man allerdings einen ganz schönen Blick. Leider kostet es auch Eintritt, wenn man dieses Rund von Innen sehen möchte?!
Eine Wikingerausstellung ist auch da, aber da sich meine Mittelaltergedanken weniger auf Wikinger konzentrieren haben wir das sein lassen. Ich hatte sowieso das Gefühl, dass das alles ziemlich kitschig werden könnte.
Überall auf Bussen und so gab es Werbung für das “York Dungeon”. Ein Verließ…das könnte interessant sein. Und dann haben wir es gefunden und festgestellt, dass es wohl eine Art Fahrattraktion ist, in der man sich gruseln soll. Aus der Tür kam stinkender Nebel. Also haben wir auch das bleiben lassen. Ein echtes Verließ in alten Mauern, ok. Aber eine Geisterbahn???
Auf dem Weg nach York hinein haben wir ein Yates gefunden und da haben wir dann auch zu Abend gegessen. Da ist es ganz gut und auch echt günstig. Abends sollte man da aber laut Gill nicht hingehen, weil da die ganzen komischen Leute verkehren…